Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erfolg Bildungslandschaft Schweiz

Interview in der Handelszeitung vom 25. Januar 2018

 

HZ: Warum haben Sie vor gut zwei Jahren das Präsidium des Politikerteams des Netzwerkes Future übernommen?
Wasserfallen:
Die Bildungspolitik ist seit mehreren Jahren ein grosses Gewicht meiner politischen Tätigkeit. Ich hatte bereits bei den Beratungen des neuen Hochschulförderungsgesetzes die Möglichkeit, wesentlich mitgestalten zu können. Die Bildungslandschaft Schweiz ist geprägt von einem umfassenden Ansatz, der u.a. von der Berufsbildung bis zur Spitzenforschung alle Facetten bietet. Das ist unser weltmeisterlicher Erfolg und dafür setze ich mich liebend gerne ein.

Ist die Schweizer Bildungspolitik vor allem Finanzpolitik – wer bekommt wieviel Geld – oder geht es auch im Inhalte? Wenn ja, könnten Sie ein konkretes Beispiel nennen?
Die finanziellen Mittel sind Mittel zum Zweck. Die nationale Ebene mischt sich zum Glück nicht in die Inhalte ein. Die Berufsverbände sollen die Inhalte der Berufsbildung ihren Bedürfnissen nach entwickeln. Diese bestimmen zum Beispiel, wie gewisse Berufe morgen aussehen müssen damit sie die Leute für die Digitalisierung gerüstet sind. Bei den Hochschulen gilt die Freiheit von Lehre und Forschung, wo die Fachhochschulen sogar noch die Anwendungsorientierung erfüllen müssen. Das bestimmt zum Glück nicht die Politik. All diese Inhalte, die Anzahl dafür notwendiger Lehrkräfte sowie Infrastrukturen und die erwarteten Teilnehmerzaheln an diesen Ausbildungen müssen finanziert werden. Das gibt am Ende ein abgestimmtes Budget zwischen allen Bildungsbereichen, den Kantonen und dem Bund.

Was ist für Sie grundsätzlich erfolgreiche Bildungspolitik im 21. Jahrhundert?
Wer erfolgreich sein will, bietet in der Bildung Vielfalt mit aktuellem Inhalt. Das duale Bildungssystem mit Durchlässigkeit ist dafür bestens aufgestellt. In der Berufslehre ist der erste starke Dualismus: Lernern im Arbeitsalltag im Betrieb und gleichzeitig in der Berufsschule den Rucksack füllen. Bei den Fachhochulen finden wir den zweiten: Wissenschaftliches Arbeiten an konkreten Aufgabenstellungen aus der Wirtschaft. Damit in diesem System alle ihre individuellen Fähigkeiten ausspielen können, ist die Bildungslandschaft durchlässig. Bildungswege sind so frei wählbar. Wir müssen zudem reagieren können auf aktuelle Entwicklungen in der Ausbildung ohne klassische Ausbildungen zu vernachlässigen. Wer kennt diese Bedürfnisse am besten? Nicht die Politik, sondern die Gesellschaft, die verschiedenen Branchen der Wirtschaft und die Wissenschafts-Community an den Hochschulen selbst.

Gesellschaft, Wirtschaft und die Wissenschaft kennen die Bedürfnisse an künftige Bildungsinhalte am besten, nicht die Politik.

Was bedeutet Bildungs-Lobbying im politischen Alltag von Bundesbern?
Wie im Lobbying allgemein: Die Mehrheit davon überzeugen, dass die Ressource Bildung der wichtigste Bestandteil unseres Erfolgsmodells ist. Die graue Masse zwischen den Ohren ist das grösste Potential der Schweiz und die gilt es gezielt zu fördern.

Sind Sie mit dem bisher Erreichten zufrieden?
Auch als Politiker kann man einmal simpel sagen: Ja. Das Ausland beneidet uns um unser flexibles und zukunftstaugliches Bildungsangebot. Ausruhen gilt dennoch nicht. Nichts ist so schnell weg wie der Vorsprung, man muss gar nichts tun dafür.

Sie sind unter anderem Präsident von FH Schweiz. Gibt es zuweilen Interessenskonflikte mit Anliegen der Universitäten oder pädagogischen Hochschulen?
Im Gegenteil: Dank der vertieften Einsicht in die sehr heterogene FH-Landschaft habe ich vielschichtige Einsichten. Diese reichen von der Berufsbildung über die Mittelschulen bis in die Hochschullandschaft. Die FH als „gleichwertiger aber andersartiger“ Hochschultyp ist in allen Regionen der Schweiz in den letzten etwas mehr als 10 Jahren stark gewachsen. Die anderen Hochschultypen sind ebenfalls sehr erfolgreich. Nur in aktiver Zusammenarbeit wurde dies erreicht, nicht gegeneinander.

Wo liegt inzwischen das Primat der Bildungshoheit in der Schweiz – bei den Kantonen oder eher beim Bund?
Die Träger sind sicher der Bund, wenn es um den ETH-Bereich geht und die Kantone, wenn es um Universitäten, FH, PH Berufsbildung, Mittelschulen und obligatorische Schule geht. Das Meiste wird kantonal umgesetzt. Der Bund gibt den Rahmen vor, bestimmt Prozesse, kooperiert mit den Kantonen und spricht mit diesen zusammen Geld. Rein inhaltlich hält sich die Politik in der Schweiz zum Glück sehr zurück. Dort sind die Gesellschaft und Wirtschaft am Zug. Politisch stellen wir ein Haus zur Verfügung, das von den Menschen, die darin wohnen, mit Leben gefüllt wird.

Politisch stellen wir ein Haus zur Verfügung, das von den Menschen, die darin wohnen, mit Leben gefüllt wird.

Wie wird der tertiäre Bildungsstandort Schweiz in zehn Jahren ticken?
Er wird sich international an der Spitze präsentieren und die Championsleague der Forschung massgeblich mitbestimmen. Die Hochschultypen sind gleichwertig aber andersartig, wo gerade die Anwendungsorientierung für unseren Wirtschaftsstandort Schweiz eine Schlüsselspielerin ist. Unsere Hochschulen findet man in der vorderen Tabellenhälfte. In der höheren Berufsbildung, im Tertiär B Bereich, werden unsere Berufsleute in den weltweit besten Trainingscamps ausgebildet.

Bildungslandschaft Schweiz der Stiftung FH Schweiz

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